Breitbandversorgung im ländlichen Raum von Steinhagen
Ausgangssituation und Befragung der Haushalte
Einige Gebiete von Steinhagen, insbesondere im Ortsteil Brockhagen, sind noch nicht an einen Breitbandanschluss von mehr als 1MBit/s Downloadgeschwindigkeit angeschlossen.
Im April 2009 hatte die Gemeindeverwaltung Steinhagen daher rund 2.200 Bürgerinnen und Bürger sowie Firmen befragt, um einen Überblick über die Versorgungslage zu erhalten.
Rund 32 Prozent der Befragten haben geantwortet. Von diesen 716 Rückläufern haben zwar 365 einen DSL-Anschluss, aber nur 84 Haushalte / Firmen haben Zugriff auf einen DSL-Anschluss größer bzw. gleich 1MBit/s, 231 private Haushalte und 50 Firmen (insgesamt 281 Rückläufer) haben nur einen DSL-Light Anschluss unter 1 MBit/s.
Von den 716 Rückläufern waren nur 48 Haushalte / Firmen mit ihrem derzeitigen Zugang zufrieden. 613 Rückläufer, also über 85 Prozent, wünschten sich eine Verbesserung der derzeitigen Situation.
Gespräche mit Anbietern von Breitbandzugängen
Der in Deutschland am häufigsten genutzte Breitbandeinstieg ist das auf die bereits vorhandene Telefonleitung (oft auch als Kupferdoppelader oder CuDA bezeichnet) aufgesetzte DSL. Insbesondere in Brockhagen sind bereits viele DSL-Anschlüsse vorhanden, allerdings mit sehr geringer Bandbreite. Daher hat die Gemeinde Steinhagen in den letzten Monaten mit verschiedenen Anbietern gesprochen, um einen Ausbau in Brockhagen zu erreichen. Leider konnte bisher kein positives Ergebnis verbucht werden. Von den Anbietern wurde deutlich gemacht, dass unter wirtschaftlichen Aspekten ein Breitbandausbau in den unterversorgten Gebieten wahrscheinlich nicht rentabel sein wird.
Die Anbieter gehen davon aus, dass die Verlegung von 1.000 m Glasfaser inkl. aller Tiefbauarbeiten und der Oberflächenwiederherstellung rund 50.000 € kosten wird. Weiterhin entstehen Kosten für den Umbau der Kabelverzweiger (die grauen Kästen am Straßenrand) in Höhe von rund 9.000 € pro 100 Haushalte. Somit errechnen sich hohe Investitionskosten für die Infrastruktur.
Demgegenüber stehen nur geringe Umsatzerlöse. Die privaten Haushalte sind in der Mehrzahl nicht bereit, mehr als 30 € für einen DSL-Anschluss zu investieren. Selbst diese 30 € erhält nicht immer der ausbauende Telekommunikationsanbieter. Sollte sich der Haushalt zu einem Anbieterwechsel entscheiden, erhält der Inhaber der Infrastruktur nur noch ein Durchleitungsentgelt von rund 10,20 €.
Aufgrund dieser Zahlen erwarten die Anbieter finanzielle Zuschüsse zu den Investitionskosten. Ein konkretes Angebot bzw. eine Bezifferung der Deckungslücke liegt derzeit nicht vor.
Alternativen
SDSL
Für Geschäftskunden bieten die meisten Anbieter auf die Kupferdoppelader aufsetzende synchrone DSL-Anschlüsse (SDSL) an, die auch in den unterversorgten Gebieten mit ansprechenden Bandbreiten zur Verfügung stehen. Die recht hohen Preise machen diese Anschlüsse für kleinere Firmen und Privatkunden allerdings unattraktiv.
Kabelfernsehnetz
Die Möglichkeit der Breitbandversorgung über ein Kabelfernsehnetz ist in den unterversorgten Gebieten derzeit nicht vorhanden. Ausbaupläne sind auch nicht bekannt.
Satellit
Eine funktionierende Alternative stellt Internet via Satellit da. Es ist jedoch festzustellen, dass zum einen recht hohe Ausrüstungskosten und zum anderen hohe Latenzzeiten (die Zeit, die das Signal vom Anschlußinhaber über den Satelliten zur Bodenstation und zurück benötigt) diese Alternative für viele Nutzer uninteressant machen, da gerade hohe Laufzeiten Echtzeitanwendungen wie Internettelefonie, Videokonferenzen oder Onlinespiele nahezu unmöglich machen. Weiterhin ist die Übertragungskapazität der Satelliten beschränkt, dadurch variiert der Datendurchsatz je nach Uhrzeit (Anzahl der Nutzer) sehr stark. Aus der begrenzten Übertragungskapazität resultieren auch die eingeschränkten Flatrates (fair use policy). Nach dem Erreichen eines vorher festgelegten Datenvolumens wird die Downloadgeschwindigkeit gedrosselt.
Der französische Konzern "Eutelsat" plant derzeit den Start eines neuen Satelliten für ein bisher nicht genutztes Frequenzband im 3. Quartal 2010. Es werden durch diesen Satelliten geringere monatliche Kosten bei höheren Bandbreiten erwartet. Das Problem der hohen Laufzeiten der Signale vom Boden zum Satelliten und zurück wird allerdings bestehen bleiben.
Mobilfunknetz
Recht unterschiedlich zeigt sich die Versorgungssituation in Brockhagen in Bezug auf die Versorgung durch die Mobilfunknetze. Bei günstigen Verhältnissen (geringe Entfernung zum Sendemast, geringe Anzahl an aktiven Nutzern) erreicht UMTS mit HSDPA durchaus den derzeitigen DSL -Standard. In Brockhagen bieten nicht alle Anbieter bereits diese Technologie an. Eine Darstellung der aktuellen Versorgungslage ist an dieser Stelle nicht leistbar. Interessierten kann nur geraten werden, sich über die einzelnen Technologien und die Versorgungsgebiete der einzelnen Anbieter zu informieren. Wie auch bei der Alternative Satellit, gibt es im Mobilfunknetz meistens keine echten Flatrates, sondern es erfolgt nach dem Erreichen eines bestimmten Datenvolumens eine Drosselung der Downloadgeschwindigkeit.
Die Nutzung der Datenverbindung für Internettelefonie wird meistens unterbunden.
In 2010 soll die Einführung des neuen Standards LTE die breitbandige Mobilfunktechnologie stark voranbringen. Inwieweit und wann dieser neue Mobilfunkstandard eine Verbesserung in den unterversorgten Gebieten von Steinhagen erzielt, kann derzeit nicht beurteilt werden.
Ausblick und weiteres Vorgehen
Eine optimale Versorgung der Mehrheit der Brockhagener Haushalte wird nach dem derzeitigen Stand der Technik kabelgebunden erfolgen müssen. Wie bereits ausgeführt, erfordert die notwendige Anbindung des Ortsteils hohe Investitionskosten, zu denen Zuschüsse erwartet werden. Die Gemeinde Steinhagen wird sich weiterhin bemühen, ein konkretes Angebot zu erhalten, um die Finanzierung unter Berücksichtigung möglicher Zuschüsse zu prüfen. Hierbei wird auch zu prüfen sein, inwieweit die Anbindung der Kabelverzweiger über eine Richtfunkstrecke anstatt einer Glasfaseranbindung möglich sein wird.
Die umliegenden Kommunen haben ähnliche Herausforderungen in ihren unterversorgten Gebieten zu bestehen. Daher steht die Gemeinde Steinhagen in regem Austausch mit dem Kreis Gütersloh und den kreisangehörigen Städten und Gemeinden. Auf Ebene des Altkreis Halle besteht die konkrete Absicht gemeinsam eine Verbesserung der Situation zu erreichen.
Gemeinsame Gespräche mit Breitbandanbietern im November 2009 haben noch nicht zu dem gewünschten Ergebniss geführt.
Auf Altkreisebene werden derzeit weitere Gespräche geführt, die beteiligten Kommunen hoffen in Kürze einen kompetenten Partner für das weitere Verfahren gewinnen zu können. Ein hoffentlich neuer Sachstand wird für Mitte März 2010 erwartet.
Förderung für die Kommunen Borgholzhausen, Halle (Westf.), Harsewinkel, Steinhagen, Versmold und Werther (Westf.)
Der nächste Schritt ist getan! Der Auftrag zur Erstellung eines Konzeptes zur Verbesserung der Breitbandversorgung in den Kommunen Borgholzhausen, Halle (Westf.), Harsewinkel, Steinhagen, Versmold und Werther (Westf.) wird an das Breitbandkompetenzzentrum NRW (BBCC.NRW) der Fachhochschule Südwestfalen, Meschede, erteilt. Die Bezirksregierung Detmold hat jetzt einen Bewilligungsbescheid erlassen, der 90 % der Kosten der Erarbeitung des Konzeptes deckt. Ziel des Konzeptes sind Aussagen darüber, in welchen Bereichen und mit welchen Lösungen - Glasfaser, Funk,....- die Telekommunikationsversorgung in den beteiligten Kommunen verbessert werden kann.

